Mit «Agent 64: Spies Never Die» versucht Solo-Entwickler Replicant D6, das Gefühl klassischer N64-Shooter zurückzubringen. Die Ähnlichkeiten zu «GoldenEye 007» sind dabei kaum zu übersehen. Doch kann der Retro-Shooter auch abseits seiner Nostalgie überzeugen?
Zurück in die N64-Zeit versetzt
Wer «GoldenEye 007» auf dem Nintendo 64 gespielt hat, dürfte sich in «Agent 64: Spies Never Die» schnell heimisch fühlen. Das Spiel setzt ganz bewusst auf die Optik und das Spielgefühl klassischer 3D-Shooter aus den 90ern. Angefangen bei der Grafik über die Levelgestaltung bis hin zum Gameplay fühlt sich vieles wie eine Zeitreise zurück auf den N64 an. Dabei kopiert «Agent 64» nicht einfach nur die Optik alter Spiele, sondern übernimmt auch deren Missionsstruktur. Insgesamt hat das Spiel 14 Missionen, die allesamt unterschiedliche Aufgaben bieten. Neben klassischen Schießereien müssen unter anderem Terminals gehackt, geheime Pläne gestohlen oder Geiseln befreit werden.
Im Koop macht es am meisten Spaß
Mein persönliches Highlight ist der Koop-Modus. Ich habe die komplette Kampagne gemeinsam mit einem Kumpel gespielt und dabei hatten wir eine Menge Spaß. Gerade hier kommt das «GoldenEye»-Gefühl besonders gut zur Geltung. Gemeinsam durch die Level zu laufen, Gegner auszuschalten und sich bei den verschiedenen Missionszielen abzusprechen, bockt einfach. Man kann entweder im Couch-Coop oder online spielen.
Neben der Koop-Kampagne bietet «Agent 64» auch einen klassischen Mehrspielermodus. Dieser kann auch lokal im Splitscreen oder online gespielt werden. Online sind Matches mit bis zu acht Spielern sowie zusätzlichen Bots möglich.
Die Story ist eher Nebensache
Eine große Stärke ist die Geschichte allerdings nicht. Ihr schlüpft in die Rolle des Geheimagenten John Walter und müsst euch gegen euren Widersacher Dominic Pulp behaupten. Die Kampagne führt euch dabei unter anderem durch Hochhäuser, Nachtclubs, Museen, Katakomben und verschneite Militärbasen. Die Handlung bleibt dabei für mich eher Mittel zum Zweck. Die Missionen können sich mit der Zeit auch etwas ziehen. Zwar gibt es unterschiedliche Aufgaben und auf den höheren Schwierigkeitsgraden zusätzliche Missionsziele und offenere Bereiche, grundsätzlich bleibt die Struktur aber ähnlich. Dadurch entsteht irgendwann ein gewisser Wiederholungseffekt. Gerade wenn man die Kampagne über längere Zeit am Stück spielt, merkt man das. Wer eine ausgefeilte Spionagegeschichte mit überraschenden Wendungen erwartet, dürfte daher eher enttäuscht werden.
Übrigens: Hier auch eine tolle Videoreview von meinem Kumpel
Nervige Bugs
Weniger nostalgisch sind dagegen einige technische Probleme, auf die wir während unseres Tests gestoßen sind. Hin und wieder hatten wir mit Bugs zu kämpfen, die den Spielfluss teilweise komplett unterbrochen haben. Besonders ärgerlich war dabei, dass wir einzelne Situationen nicht mehr lösen konnten und deshalb gezwungen waren, das jeweilige Level neu zu starten. Gerade im Koop ist das natürlich frustrierend, wenn man bereits einige Zeit in einer Mission verbracht hat. Hier bleibt zu hoffen, dass der Entwickler mit zukünftigen Updates noch nachbessert.
Mehr als nur die Kampagne
Neben der 14 Missionen umfassenden Kampagne gibt es noch weitere Inhalte. So können durch das Erreichen bestimmter Zeiten und Herausforderungen sogenannte Paradox-Modi freigeschaltet werden. Insgesamt stehen dabei mehr als 70 Modifikatoren und Cheats zur Verfügung, die das Gameplay auf verschiedene Arten verändern. Dazu gehören beispielsweise große Köpfe, keine Nachladeanimationen oder veränderte Geschossgeschwindigkeiten. Also so ähnlich, wie es bei «GoldenEye» der Fall war. Zusätzlich gibt es sogenannte Contracts, bei denen bekannte Missionen mit veränderten Zielen erneut gespielt werden können. Wer also nach dem Abschluss der Kampagne noch nicht genug hat, bekommt dadurch weitere Gründe, die Level erneut zu besuchen.
Fazit (7/10)
«Agent 64: Spies Never Die» ist vor allem eine Liebeserklärung an die N64-Shooter der 90er-Jahre. Das Spiel fängt den Flair von «GoldenEye 007» erstaunlich gut ein und spielt sich tatsächlich so, wie man es von einem modernen N64-Shooter erwarten würde. Besonders im Koop und im Multiplayer hatte ich mit meinem Kumpel und anderen richtig viel Spaß. Genau hier liegt für mich auch die größte Stärke des Spiels.
Wer «GoldenEye 007» und die alten N64-Shooter liebt und auf der Suche nach einem modernen Spiel mit entsprechendem Retro-Flair ist, sollte «Agent 64: Spies Never Die» trotzdem eine Chance geben. Vor allem mit Freunden macht der Titel richtig viel Spaß.