Dass es inzwischen zahlreiche extrem gelungene Slots mit Anime-Themes gibt, haben wir für euch schon in mehreren Beiträgen thematisiert. Aber wusstet ihr, dass es in Japan selbst keine Anime-Slots gibt wie bei uns und anderen weiten Teilen der Welt? Glücksspiele sind in Japan nämlich sehr stark eingeschränkt und viele Formen sind gänzlich verboten.
Zwar gibt es klassisches Lotto, Pferdewetten und das berühmte Pachinko. Traditionelle Spielautomaten oder gar Online-Slots stehen den Menschen in Japan allerdings nicht zur Verfügung.
Japan tickt beim Glücksspiel einfach anders
Während sich in Europa und vielen anderen Teilen der Welt klassische Spielautomaten und später auch Online-Slots durchgesetzt haben, entwickelte sich die Glücksspielkultur in Japan in eine komplett andere Richtung. Statt blinkender Echtgeld-Slots standen dort jahrzehntelang vor allem die ikonischen Pachinko-Hallen im Mittelpunkt.
Die riesigen Spielhallen gehören bis heute fest zum Stadtbild vieler japanischer Großstädte. Auch Anime und Gaming wurden in Japan eher anders mit Zufallsmechaniken kombiniert. Statt klassischer Slots setzten japanische Entwickler früh auf sogenannte Gacha-Systeme, die heute vor allem aus Mobile Games bekannt sind.
Dabei kaufen Spieler virtuelle „Pulls“, um zufällig neue Charaktere, Waffen oder seltene Items zu erhalten. Besonders Anime-Games wie Genshin Impact, Fate/Grand Order oder Dragon Ball Dokkan Battle machten dieses Prinzip weltweit populär.
Während der Markt in Japan selbst stark eingeschränkt blieb, wurden Anime- und Japan-Designs vor allem von internationalen Slot-Entwicklern aufgegriffen. Dort entstanden die Online-Slots, die viele Fans heute mit Anime-Optik verbinden, und je nach Anbieter auch Plattformen, auf denen Nutzer ohne LUGAS spielen können.
Gacha statt Slots
In Japan mussten Anime-Fans aber gar nicht bei Online-Slots landen, um Spiele mit Zufall, Spannung und seltenen Gewinnen zu erleben. Während klassische Online-Slots in Europa immer populärer wurden, entwickelte sich in Japan mit Gacha-Games eine ganz andere Form digitaler Zufalls-Mechaniken.
Das Prinzip dahinter ist simpel. Man setzt eine virtuelle Spielwährung ein und bekommt dafür eine zufällige Belohnung. Das kann ein neuer Charakter sein, eine Waffe, ein Outfit oder ein besonders seltenes Item. Im Grunde funktionieren Gacha-Games damit ähnlich wie Lootboxen, die viele Spieler aus westlichen Games kennen dürften.
Der große Unterschied liegt eher in der Präsentation. Während Lootboxen im Westen oft nur ein Nebensystem in Shootern oder Sportspielen waren, wurden Gacha-Mechaniken in Japan schnell zum Mittelpunkt ganzer Games. Interessant ist dabei auch der regulatorische Unterschied.
Während Europa bei Lootboxen und glücksspielähnlichen Mechaniken in Games inzwischen deutlich strenger geworden ist und einige Länder Lootboxen sogar komplett verboten haben, ging Japan bei Gacha-Systemen lange vergleichsweise locker vor.
Das wirkt auf den ersten Blick fast widersprüchlich, weil klassische Glücksspiele und Online-Casinos dort gleichzeitig viel stärker eingeschränkt sind als in vielen westlichen Ländern. Damit scheinen in Japan Mechaniken wie Lootboxen nicht so direkt als eine Form des Glücksspiels eingestuft zu werden, wie es bei uns in Europa vielerorts der Fall ist.
Anime-Slots werden im Westen entwickelt
Die Entwicklung rund um Gacha-Games hatte allerdings noch einen anderen Effekt. Während Anime in Japan hauptsächlich in Mobile Games, Sammelsystemen und Charakter-Pulls eingebunden wurde, entdeckten internationale Glücksspielanbieter den Stil später für klassische Online-Slots.
Oft geht man fälschlicherweise automatisch davon aus, dass Anime-Slots aus Japan stammen müssen. Schließlich wirken zahlreiche Games so, als kämen sie direkt aus einem Anime-Studio in Tokio.
Bunte Charaktere, übertriebene Spezialeffekte, Fantasy-Welten, Samurai, Dämonen oder Neon-Cyberpunk passen schließlich perfekt zu dem Stil, den viele mit japanischer Popkultur verbinden. Tatsächlich stammen die bekannten Anime-Slots aber gar nicht aus Japan.
Entwickelt werden sie stattdessen vor allem von internationalen Studios aus Europa. Viele große Anbieter sitzen in Malta, Schweden, Großbritannien oder auch in Osteuropa und greifen bewusst auf Anime-Optik zurück, einfach weil sie weltweit extrem beliebt geworden ist.
Das sieht man auch daran, wie Anime in modernen Slots oft dargestellt wird. Viele Spiele orientieren sich eher an westlichen Vorstellungen von Anime und Manga. Besonders beliebt sind überzeichnete Kämpferinnen, futuristische Neonwelten, magische Schwerter oder Charakterdesigns, die stark an bekannte Shonen- oder Fantasy-Serien erinnern.
Es geht dabei weniger um konkrete Anime-Franchises, sondern eher um die allgemeine Ästhetik. Japan liefert also vor allem die Inspiration. Die eigentliche Online-Slot-Industrie entstand dagegen praktisch komplett außerhalb des Landes.
Japan lockert seine Glücksspielregeln langsam
Ganz abgeschlossen ist das Thema Glücksspiel in Japan inzwischen allerdings nicht mehr. Obwohl klassische Online-Casinos weiterhin stark eingeschränkt bleiben, hat sich die japanische Politik in den vergangenen Jahren langsam geöffnet. Vor allem beim Thema Casinos gab es einen deutlichen Kurswechsel, der vor einigen Jahren noch kaum vorstellbar gewesen wäre.
Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte Integrated Resorts, oft einfach nur als IRs bezeichnet. Gemeint sind riesige Unterhaltungskomplexe, die weit mehr sein sollen als einfache Casinos. Geplant sind gigantische Anlagen mit Hotels, Restaurants, Shopping-Bereichen, Konzerthallen, Messezentren und Freizeitangeboten.
Das eigentliche Casino darf dabei sogar nur einen kleinen Teil der gesamten Anlage ausmachen. Die Idee dahinter stammt vor allem aus Städten wie Las Vegas oder Macau. Japan möchte damit weniger eine klassische Glücksspielnation werden, sondern vielmehr internationale Touristen anziehen und den Entertainment-Sektor stärken.
Lange Zeit galt so ein Projekt in Japan praktisch als unmöglich. Glücksspiel ist dort traditionell extrem streng reguliert. Erst 2018 verabschiedete die japanische Regierung ein Gesetz, das erstmals legale Casino-Resorts erlaubte.
Spannend ist dabei, dass viele internationale Glücksspielkonzerne seit Jahren auf den japanischen Markt drängen. Unternehmen wie MGM Resorts sahen früh enormes Potenzial, weil Japan bereits riesige Entertainment-, Anime- und Gaming-Communities besitzt. Dazu kommen Millionen Touristen sowie die starke Popkultur rund um Tokio und Osaka.
Das bekannteste Projekt entsteht derzeit in Osaka. Dort wird auf der künstlichen Insel Yumeshima aktuell das erste große Integrated Resort Japans gebaut. Hinter dem Projekt stehen unter anderem MGM Resorts und die japanische ORIX Corporation.
Die Anlage soll laut aktuellen Planungen 2030 eröffnen und mehrere Hotels, Restaurants, Shopping-Flächen, Konzerthallen und natürlich auch ein Casino enthalten. Viele Experten sehen darin einen Versuch, Glücksspiel stärker zu kontrollieren und gleichzeitig wirtschaftlich davon zu profitieren.
Bislang ist zunächst vorgesehen, dass nur internationale Touristen die Casino-Bereiche der Resorts nutzen dürfen. Japanische Einwohner hingegen sollen weiterhin nur eingeschränkten Zugang zu Glücksspielen haben.
Ob daraus also irgendwann auch eine größere japanische Online-Slot-Industrie entsteht, ist eher unwahrscheinlich. Bisher liefern japanische Unternehmen weiterhin eher die Popkultur, Designs und Gaming-Ideen, während die eigentlichen Anime-Slots fast komplett von internationalen Entwicklern stammen.