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Xu Xianzhe schaffte es mit seiner Reihe «Die Klingen der Wächter» in Asien erfolgreich zu werden. Jetzt ist die Reihe auch in Deutschland erhältlich. Doch um was handelt es sich hierbei? Unser Artikel verrät es!

«Die Klingen der Wächter» (Originaltitel: Biaoren 镖人) dominiert seit dem Erscheinen des ersten Bandes der Printausgabe vor über zwei Jahren die Bestsellerlisten in China.

Fast gleichzeitig zur chinesischen Ausgabe erscheinen Sprachausgaben in Japan, Korea und Taiwan. Der staatliche japanische Fernsehsender NHK hat mehrfach über die Reihe berichtet. Weltbekannte japanische Mangaka wie Rumiko Takahashi («Ranma 1/2») oder Toru Fujisawa («GTO») bekennen sich öffentlich als Fans der Reihe und überschütten sie mit Lob.

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Die Charaktere von «Die Klingen der Wächter»

Wie ist dieser riesige Hype um eine chinesische Comicreihe, die auch noch das Erstlingswerk ihres Schöpfer Xu Xianzhe ist, zu erklären?

Neben der spannenden Handlung, die sich durch unerwartete, rasante Wendungen auszeichnet, liegt es, so denken wir, an der grossen Riege faszinierender, facettenreicher, vielschichtiger, oft moralisch ambivalenter Figuren, die der ungemein talentierte Xu Xianzhe sich ausgedacht hat.

Wir möchten daher im Folgenden einige der wichtigsten Figuren vorstellen und diese durch Zitate aus den Büchern auch selbst zu Wort kommen lassen.

Daoma und Xiaoqi

„Das Streben aller Welt – das Wimmeln und Wuseln aller Kreaturen – gilt dem eigenen Profit“ (das Zitat stammt vom chinesischen Historiker Sima Qian, Daoma reklamiert es jedoch für sich)

Daoma ist ein chinesischer Glücksritter, der sein Auskommen als Kopfgeldjäger und Transportbegleiter der Handelskarawanen sucht, die durch die westlichen Wüstengebiete jenseits der chinesischen Mauer ziehen.
Er war einst ein Mitglied einer kaiserlichen Elitetruppe, fiel aber wohl in Ungnade. Die Details seiner Vergangenheit versucht er zu verbergen. Sie werden erst im weiteren Verlauf der Geschichte enthüllt.
Im Schlepptau hat er stets seinen kleinen Sohn Xiaoqi, den er väterlich-aufopferungsvoll beschützt und den er während blutigen Kämpfen dazu anweist, die Augen zu schliessen. Welches Schicksal die Mutter des Kleinen wohl ereilt haben mag, bleibt zunächst im Verborgenen.
Unterschlupf und Protektion erhält er vom alten Mo, Vater der jungen Ayuya und Oberhaupt einer Oasenstadt, der mit Handelskarawanen seine Geschäfte macht. Daoma ist eine äusserst geschwätzige Figur, die viel sarkastischen Humor besitzt und sich schlagfertig zu äussern vermag. Gleichzeitig ist er aber auch ein Eigenbrötler, der einen großen Drang nach Freiheit und Ungebundenheit besitzt. Er stellt manchmal eigene Regeln auf, nur um diese kurz darauf selber zu brechen. Anfänglich wirkt er kalt, berechnend und mitleidslos, nur der eigene Profit scheint ihn zu interessieren. Mit der Zeit merkt man aber durch seine teils überraschend altruistischen Handlungen, dass unter seiner nur oberflächlich rauen Schale ein weicher Kern verborgen sein muss.

Zhishilang

„Zhishilang ist niemand. Oder man könnte auch sagen: Ein jeder kann Zhishilang sein.“

Der stets maskierte Zhishilang (zu Deutsch in etwa „Der Allwissende“) ist eine äuẞerst exzentrische Figur, die eine unheimliche Aura umgibt. Daoma soll ihn im Auftrag des alten Mo inkognito zur chinesischen Hauptstadt Chang’an eskortieren. Zhishilang war als Rädelsführer einer niedergeschlagenen Rebellenbewegung, die gegen die Sui-Herrschaft gerichtet war, für viele Jahre im Westen im Exil. Jetzt will er nach China zurückkehren, um „den tiefsitzenden Zorn in den Herzen der Menschen zu entzünden“. Zhishilang macht mitunter prophetische Aussagen und gibt dabei Kenntnisse über andere Personen preis, die er eigentlich nicht besitzen kann. Das erzeugt bei nicht wenigen anderen Unbehagen und lässt ihnen die Haare zu Berge stehen.

Ayuya

„Daoma! Ich bin kein Mädchen mehr. Du hast es doch selbst gesagt. Alles in der Welt verändert sich früher oder später. Nichts bleibt so, wie es war.“

Ayuya ist die junge Tochter des alten Mo. Sie schliesst sich der Reisegruppe um Daoma und Zhishilang auf deren Reise nach Chang’an an. Zu Beginn ist sie noch ganz die pubertierende Heranwachsende: Temperamentvoll, ungestüm, manchmal gar jähzornig. Sie ist einer naiv leidenschaftlichen Schwärmerei für Daoma verfallen. Ausgelöst durch eine niederträchtige Intrige und einen himmelsschreienden Verrat, muss sie einen herben Schicksalsschlag erleiden, bei dem sie die Menschen verliert, die sie am meisten liebt. Dadurch muss sie viel zu schnell erwachsen werden und wandelt sich zu einer unabhängigen, abgeklärten Frau, die ihre Illusionen verloren hat, an Stärke gewinnen will und ihren eigenen Weg geht.

Shu

„Ich bin in der Lage, Dinge zu tun, die gewöhnliche Menschen niemals wagen würden durchzuziehen.“

Shu ist ein talentierter Schwertkämpfer mit anmutigem Äusseren, der durch einen Zufall zur Reisegruppe um Daoma dazustösst. Er ist nur in die westlichen Wüstenregionen gekommen, um im Auftrag eines mächtigen Herren dessen entlaufene Hausdirne aufzugreifen.
Vom Charakter her wortkarg und verschlossen, bleiben seine wahren Absichten zunächst im Unklaren. Auch er besitzt eine geheimnisumwitterte Vergangenheit und dazu einen ungestillten Durst nach Rache, dies wird jedoch erst im weiteren Verlauf der Geschichte enthüllt werden.

Historischer Hintergrund:

Die Geschichte spielt im frühen siebten Jahrhundert. In China sitzt ein Despot auf dem Thron, der tyrannische Kaiser Yang Guang der Sui-Dynastie, der die eigene Bevölkerung unterjocht und Expansionsgelüste nach aussen hegt. Gleichzeitig würden viele kriegerische Nomadenvölker jenseits der chinesischen Mauer aber ebenfalls gerne in das fruchtbare chinesische Territorium eindringen, um dort sesshaft zu werden, wenn man sie denn nur liesse. In den ersten Bänden stehen die zentralasiatischen Wüstengebiete ausserhalb der chinesischen Mauer als Schauplätze der Ereignisse im Zentrum. Durch diese unfruchtbaren Gebiete verläuft die Seidenstrasse, alte Handelsrouten zwischen China und dem Westen, weshalb sie sowohl für die chinesische Sui-Dynastie als auch für Khanate verschiedener Stammesvölker einige strategische Bedeutung besitzen. Der Wettstreit um die Kontrolle über diese Gebiete und das Intrigenspiel des chinesischen Kaiserhofes lösen bald blutige, kriegerische Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Parteien aus.

Quelle: Chinabooks