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Die deutsche Synchronisation von «Detektiv Conan» hat seit Jahren eine große Fangemeinde und viele wünschen sich seit Jahren, dass endlich ein Fernsehsender die Bearbeitung der TV-Serie fortführt. Der Publisher KAZÉ hatte im Jahr 2007 ein Einsehen und bringt seither in regelmäßigen Abständen die «Detektiv Conan»-Filme auf DVD und neuerdings auch auf Blu-ray heraus. Doch wie hat sich die deutsche Synchro seither entwickelt? Haben Kritiker recht, die behaupten, dass die deutsche Bearbeitung immer schlechter wird, oder haben diese eine falsche Sicht der Dinge? Wir haben die deutsche Bearbeitung für euch einmal genauer analysiert.

Tobias Müller bei der Aufnahme für Film 18 | Bild © VIZ Switzerland, TMS Entertainment, TV+ Synchron. All Rights reserved.

Akt 1: MME Studios in Berlin

Im Jahr 2002 lizenzierte RTL II, ein Sender, der in Grünwald bei München beheimatet ist, den Anime «Detektiv Conan» und kaufte zunächst ganze 102 Folgen ein, die von der MME Music-Mix + Effects Studios GmbH in Berlin bearbeitet wurden. Der Qualitätsstandard zu Beginn der Arbeiten war enorm, da es praktisch keine Umbesetzungen gab und die Dialoge sehr variantenreich und lebendig geschrieben waren. Auch bei den Sprechern gab es nichts Großartiges auszusetzen. Zwar hat Tobias Müller als Conan zu Beginn etwas zu tief gesprochen, doch dies besserte sich nach einigen Folgen merklich. Es klang alles sehr professionell und es wirkte, als hätten die Sprecher bei Folge 1 die Rollen schon für 120 Episoden eingesprochen, so gut hat man zusammengearbeitet. Nachdem die Ausstrahlung für RTL II ein Quotenerfolg gewesen war, lizenzierte man ziemlich schnell ein weiteres Episodenpaket von TMS Entertainment und auch diesmal war MME Studios für die Bearbeitung zuständig.

Offenbar war man einem immer größeren Zeit- und Kostendruck ausgesetzt, weshalb einige Hauptrollen neue Sprecher bekamen, wie zum Beispiel Ayumi Yoshida, die bis zur Folge 102 von Julia Meynen gesprochen wurde, ab der zweiten Staffel jedoch Susanne Kaps als Sprecherin bekam. Auch kamen immer häufiger Fehler in der Abmischung hinzu, bei denen Musik zu früh oder zu spät eingespielt wurde oder andere Patzer, etwa dass die Sprecherin Andrea Kathrin Loewig in einer Folge bei dem Begriff „APTX 4869“ die Zahlen vertauscht hatte. Aber dennoch war die Synchronisation im Großen und Ganzen noch ziemlich gut, auch wenn mit einem etwas größeren Budget wohl etwas mehr möglich gewesen wäre.

Die dritte Staffel kam im Jahr 2004 nach Deutschland. Spätestens hier merkte man, dass Tobias Müller scheinbar entweder gepitcht oder aus unbekannten Gründen dazu angewiesen wurde, Conan höher zu sprechen. Dies wurde bei den Conan-Filmen beibehalten, die von einer anderen Synchronfirma bearbeitet wurden. Ob die Entscheidung Tobias Müller auf Conan und Shinichi zu besetzen richtig war, ist diskutabel. Kritiker finden, dass er mittlerweile zu heiser klingt, während Fans sagen, dass er aufgrund Kontinuität Conan weiterhin sprechen sollte. Ab der letzten bisher auf deutsch erschienenen Staffel wurde der Sprecher des Professor Agasa erneut ausgetauscht, nachdem dies bereits bei Folge 103 der Fall war. Der Sprecher Rüdiger Evers war seither die neue Stimme. Im Großen und Ganzen hatte die Synchronisation von MME zwar kleinere Schwächen, vor allem bei den Sprecherumbesetzungen, allerdings hatte man dafür auch einen ziemlich großen Sprecherpool, was sich dann später bei dem anderen Studio änderte.

 

Auf der nächsten Seite schauen wir uns die Bearbeitung der Conan-Filme ab dem Jahr 2007 an.
[nextpage title=”2″]Akt 2: TV+ Synchron

Synchronregisseurin Karin Lehmann; Bild © VIZ Switzerland, TMS Entertainment, TV+ Synchron. All Rights reserved.

Im Jahr 2007 holte der deutsche Publisher KAZÉ Anime die Detektiv Conan-Filme nach Deutschland. Allerdings landete das Projekt nicht mehr bei MME Studios, sondern bei TV+ Synchron. Das Dialogbuch und die Regie verantwortete seither Ulrike Lau, bis sie beim 14. Film von Karin Lehmann abgelöst wurde, welche die Synchronaufnahmen der Filmreihe bis zum heutigen Tage betreut. Allerdings wurde schnell klar, dass die Entscheidung, TV+ Synchron als Studio zu beauftragen, wohl nicht ganz optimal war. Einige Sprecher wollten nicht mehr bei diesem Studio sprechen. Dies war bisher bei folgenden der Fall: Thomas Nero Wolff (Shiratori; bis Film 2), Julia Ziffer (Sonoko Suzuki; bis Film 2), Tobias Kluckert (Gin; bis Folge 333), Oliver Feld (Heiji Hattori; bis Folge 333), Detlef Bierstedt (Yusaku Kudo; bis Folge 333) und Rita Engelmann (Yukiko Kudo, bis Folge 333). Daher wurden sämtliche Rollen dementsprechend neu besetzt. Conan Edogawa wird seit Film 1 deutlich höher gepitcht, als dies bisher der Fall war. Und immer wieder schleichen sich Abmischungsfehler ein. Bei Film 2 wurde vergessen, einen Satz von Shiratori und dem Täter mitzusynchronisieren bzw. wurde bei der Abmischung der Take ausgelassen, weshalb die Figuren nur den Mund bewegen. Die Namensaussprache ist zudem sehr wechselhaft. Zwar wurde zum Beispiel von Karin Lehmann betont, dass man “wie die Luchse darauf achtet, dass die Namen richtig ausgesprochen werden”, aber dies wird leider nicht konsequent durchgehalten. In einer Szene heißt es „Akaiii“ und dann wieder „Akai“. Und das ist nur eines von vielen Beispielen. Sehr prominent ist mittlerweile, dass man vor den Namen Shinichi ein T hängt: “Tschinichi”.

Hinzu kommt der sehr, sehr kleine Sprecherpool. Immer wieder hört man die gleichen Verdächtigen: Uwe Jellinek, Dieter Memel und Klaus Lochthove, die teils sogar mehrere Rollen einsprechen. Dies kommt bei anderen Synchronproduktionen deutlich seltener vor, da Studios wie Oxygen oder Arena Synchron einen wesentlich größeren Pool aus Sprechern vorweisen können. Zu den Unzulänglichkeiten bei den Sprechern kommen auch noch Doppelbesetzungen. Mittlerweile wird keine Rücksicht darauf genommen, ob ein Sprecher bereits auf eine andere Hauptrolle besetzt wurde. So geschehen bei Masumi Sera, deren deutsche Sprecherin nun seit Film 21 auch noch Momiji Ooka spricht, die man ebenfalls als Hauptcharakter bezeichnen kann, da sie in den Manga übernommen wurde. Des Weiteren werden seit längerer Zeit die Schreie von Charakteren nicht mehr neu synchronisiert, was man bei vielen Charakteren merkt, da die deutschen Sprecher häufig ziemlich anders klingen als ihre japanischen Kollegen. Ein Beispiel: Beim 20. Film schreit Ai Haibara, weil sie fast von einer hohen Plattform herunterfällt. Allerdings hört man Andrea Kathrin Loewig (deutsche Sprecherin) nur, wenn sie spricht, ansonsten hört man die japanische Sprecherin, nämlich Megumi Hashibara, die eine deutlich höhere Stimme hat. Handwerklich gibt es auch immer mehr zu bemängeln, denn beim 20. Film wurde die Musik einfach abgebrochen, weil ein Schrei neu synchronisiert werden musste. Dies habe ich bisher in KEINER anderen Synchro so erlebt, da dies bei anderen Synchronisationen weniger auffällig ist als bei den Conan-Filmen.

Beim 20. Film hat KAZÉ um Kosten einzusparen den 21. Film gleich mitsynchronisiert. Allerdings hat man aus unbekannten Gründen die Rollen von Heiji und Kazuha umbesetzen müssen. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Ob man die Möglichkeit gehabt hätte Oliver Feld wieder zu besetzen ist fraglich, da dieser möglicherweise mit den Arbeiten an Dragonball Super ausgelastet war. Es wurde daher Oliver Bender besetzt, den einige Fans als sehr unpassend empfinden, da er nicht auf die Rolle passe. Kazuha bekam immerhin ihre zweite Stimme, nämlich Manja Doering.

Trotz der negativen Aspekte muss man allerdings hervorheben, dass wir es auch Karin Lehmann und Ulrike Lau in gewisser Weise zu verdanken haben, dass die Synchronisation überhaupt noch so gut geworden ist, wie sie es bisher war. Ohne diese beiden hätten wir mit Sicherheit auch schon die eine oder andere Erststimme verloren (z.B. Klaus Dieter Klebsch, usw.) oder gar leblos geschriebene Dialogbücher die nur 1:1 das japanische Skript wiedergeben, ohne einen sprachlichen Fluss beizubehalten.

Fazit: Nun stellt sich die Frage: Ist die deutsche Synchronisation mit der Zeit immer schlechter geworden? Diese Frage kann man zwar mit “Ja!” beantworten, allerdings muss man auch anmerken, dass dies die Schuld des deutschen Publishers KAZÉ ist, die darauf verzichtet haben ein anderes Studio zu verpflichtet oder vielleicht ein größeres Synchronbudget der Bearbeitung bereitzustellen. Es ist nämlich verdächtig, dass die Netflix oder Amazon Synchronisationen, die auch bei TV+ Synchron zum Teil entstanden sind immer deutlich hochwertiger von der Abmischung oder Sprecherbesetzungen waren. Nun scheint sich allerdings alles zum Besseren zu wenden, denn KAZÉ setzt bei Episode ONE erstmalig statt TV+ Synchron Oxygen Sound Studios ein, nachdem peppermint bei der Bearbeitung von Magic Kaito 1412 schon gute Erfahrungen gemacht hat. Scheinbar war die massive Kritik der Fans an der Bearbeitung von Film 21 mit daran schuld, dass nun endlich ein Studiowechsel vorgenommen wurde. Für die Qualität der Bearbeitung wird das mit Sicherheit nicht schädlich sein, sondern sogar sehr positiv.

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Bilder © 2015 VIZ Switzerland/TV+ Synchron/TMS Entertainment. All Rights reserved.