Der Anime-Film «Lu Over The Wall» aus dem Jahr 2017 hat es auch zu uns in die deutschen Kinos geschafft. Der Film zeichnet sich vor allem durch sein ungewöhnlichen Animationsstil aus. Doch harmoniert dieser mit dem Inhalt des Films und konnte den Zuschauer überzeugen?

Der preisgekrönte Animations-Film «Lu Over the Wall» erschien 2017 in den japanischen Kinos. Der Film wurde im Studio Science Saru produziert unter der Regie von Masaaki Yuasa. Der Regisseur dürfte unter anderem durch Projekte wie «Night Is Short, Walk On Girl» oder seinem neuesten Ableger «Devilman Crybaby» bekannt sein.

Wir wurden zum Film am 25. September eingeladen und haben uns daher einen persönlichen Eindruck vom Film geholt. Das sind unsere Meinungen:

Phônix

«Lu Over the Wall» ist ein Film, auf den man sich im Vorfeld einlassen muss. Der Zeichenstil ist für Animes sehr untypisch und wirkt auch im allgemeinen sehr schräg und unproportional. Auch die Geschichte lässt sich in Trailern nicht wirklich gut einfangen und muss von Anfang an mitverfolgt werden. Wenn man darüber aber hinwegsehen kann, wird einem der Film auch gefallen.

Auch wenn der verrückte Zeichenstil schon für den einen oder anderen Schmunzler gesorgt hat, konnte man meinen Geschmack damit nicht so richtig treffen. Es erinnert eher an einen Comic, denn die Gestaltung ist sehr einfach und überdreht. Straßen gehen zum Teil im 90° Winkel nach oben und auch die Charaktere wirken etwas detaillos.

Wirklich in positiver Erinnerung bleibt mir allerdings die fantasievolle und auch für Animes typische Geschichte. Sie ist sehr emotional, mit einer abwechslungsreichen Charaktervielfalt und insbesondere Lu kann man einfach nur in sein Herz schließen. Man bindet viele fröhliche Elemente ein, wie vor allem das Tanzen und die Musik, kann aber auch geschickt in eine ernste Situation überleiten. In einigen Fällen war man mit dem Fantasy-Einsatz nur vielleicht etwas “over the top”, wodurch der Film zwischenzeitlich etwas surreal wirkt.

Dennoch kann ich jedem nur empfehlen, dem Movie eine Chance zu geben, insbesondere wenn man etwas fantasievollere Streifen mag. Hinter «Lu Over the Wall» verbirgt sich nämlich viel mehr, als es rein äußerlich erst einmal den Anschein macht.

Story: 8/10

Charaktere: 7/10

Musik, Stimmung: 9/10

Synchronisation: 9/10

Zeichenstil: 3/10

= 7,2/10

 

Karvulf

Bevor ich den Film «Lu Over the Wall» sah, habe ich mir den Trailer dazu angeschaut. Durch den ungewöhnlichen Zeichenstil hat der Trailer sehr ulkig gewirkt. Trotzdem bin ich froh ins Kino gegangen zu sein.

Im Film geht es um einen Jungen namens Kai, der die Musik liebt. Er lebt auf einer Insel, auf der es eine Legende gibt. Man sagt, dass dort früher Meerjungfrauen gelebt haben, die allerdings Menschen auffressen würden. Man sagt auch, dass die Musik sie anlocken soll, weshalb die Bewohnter es meiden, dem Meer zu nahe zu kommen. Kai geht in die Oberstufe, aber weiß noch nicht, was er mal machen will. Da er sich zur Musik hingezogen fühlt, veröffentlicht er einen Clip im Internet, wordurch er die Aufmerksamkeit zwei seiner Mitschüler erhält. Diese haben eine Band und fragen Kai, ob er nicht mitmachen will. Sie spielen immer etwas abgelegen von der Insel. Da Kai den Verdacht hegt, dass seine Musik womöglich Meerjungfrauen anlockt, beschließt er mit ihnen zu gehen. Dort angekommen fangen sie an zu spielen. Auf einmal ertönt eine unbekannte Stimme und eine Meerjungfrau taucht auf, deren Flosse sich zu Beinen entwickelt, wenn sie Musik hört. Damit fängt das Abenteuer mit dem mysteriösen Wesen an …

Bevor ich mir «Lu Over the Wall» angeschaut habe, war ich durchaus skeptisch. Vor allem sagte mir der Animationsstil nicht zu. Doch der Film konnte jegliche Skepsis vom Tisch bringen. Denn durch den ungewöhnlichen Zeichenstil hatte ich den ein oder anderen Lacher, da Situationen deutlich überspitzter dargestellt wurden. Das brachte dem Film sein ganz eigenen Charme, was ich sehr schätze. Doch »Lu Over the Wall» zeichnet sich nicht nur durch Komedie aus. Den Handlungsstrang konnte man gespannt folgen und zog den Zuschauer in ihren Bann. Ein weiteres wichtiges Element ist die Musik. Sie zog sich durch den ganzen Film von Gesang bishin zu Soundtracks durch. Ich finde, dass dies sehr gelungen ist und dem Film eine passende Stimmung verliehen hat.

Wenn man sich etwas mehr Gedanken zu «Lu Over the Wall» macht, merkt man, dass er auch kritisch ist. Denn im Film wurde der Mensch indirekt kritisiert, der Dinge, die nicht seiner Norm entsprechen, direkt als schlecht ansieht, anstatt sich selbst eine Meinung zu schaffen. Stattdessen geht der Mensch voreingenommen an die Sache und versucht erst gar nicht zu verstehen. So geschah es auch mit den Meerjungfrauen im Film. Ich finde es gut, dass der Film kritisch an die Sache rangeht. Das erinnert mich sehr an das Muster der Filme aus dem Studio Ghibli, die oftmals die Gesellschaft kritisierten. Beispielsweise wird in «Nausicaä» der Mensch in seinem Umgang mit der Umwelt kritisiert.

Insgesamt kann ich den Film definitiv weiterempfehlen und kann nur sagen, dass man sich nicht von der Animation abschrecken lassen sollte. Eine tolle Story, die durch eine schöne Musik begleitet wird. Daher bekommt der Film eine Bewertung von 9 von 10 Punkten.

 

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