Diesen Sonntag stellen wir euch einen Anime vor, der im Grunde einer der Klassiker des Mediums schlechthin ist, der vielen Lesern aber trotzdem unbekannt sein dürfte: «Urusei Yatsura».

Die stolzen 195 Episoden des Animes entstanden zwischen 1981 und 1986. Die Geschichte geht auf den gleichnamigen Manga zurück, welcher die erste große Reihe der berühmten «Prinzessin des Manga» Rumiko Takahashi ist (ich verweise in diesem Kontext auf unser Special zu dieser Autorin). Die insgesamt 34 Bücher kamen zwischen 1978 und 1987 in Japan in den Handel.

Die Fernsehserie wurde in der ersten Hälfte vom Studio Pierrot, in der zweiten Hälfte vom Studio Deen animiert. Die Regie führte bis zur 106. Folge der damals noch unbekannte Mamoru Oshii, welcher mit Werken wie «Ghost in the Shell» später einem weltweitem Publikum bekannt werden sollte. Für die restlichen Episoden löste ihn Kazuo Yamazaki ab.

 

Darum geht es in «Urusei Yatsura»:

Moroboshi Ataru, der größte Pechvogel aller Zeiten, wird von Invasoren ausgewählt, die Erde zu vertreten. Verliert er, so wird der Planet erobert. Ataru liegt herzlich wenig am Schicksal des Planeten und hat noch weniger Interesse daran, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Seine Meinung ändert sich schlagartig, als er herausfindet, was er tun soll. Er muss die gutaussehende Tochter des Invasoren berühren, um die Erde zu retten. Seiner verdorbenen Persönlichkeit wegen, hätte er dies wohl auch ohne Aufforderung getan. Am letzten Tag vor Ablauf der gesetzten Frist motiviert Shinobu, Atarus Freundin, ihn zusätzlich mit einem Eheversprechen für den Fall, dass er die Erde retten sollte. Nachdem er es wirklich schafft und sich lauthals über seine bevorstehende Hochzeitsnacht freut, kommt es zum Missverständnis zwischen ihm und Lum. Diese versteht nämlich einen Heiratsantrag, den sie auch sofort annimmt…

 

Handlung:

«Urusei Yatsura» ist ein rein episodischer Anime. Mehr noch, die ersten 21 Folgen sind sogar allesamt in zwei separate Blöcke mit je unterschiedlicher Geschichte geteilt. Im Verlauf der 195 Folgen gibt es allenfalls kleine inhaltliche Entwicklungen, eine fortlaufende Hintergrundhandlung ist nicht vorhanden. Somit ist die Serie wohl eher wenig für das Binge-Watching zahlreicher Folgen am Stück geeignet, sondern mehr für das sporadische Anschauen von immer ein Paar Episoden. Vom Stile her ähnelt «Urusei Yatsura» am ehesten Takahashis späterem Werk «Ranma 1/2». Sprich, es erwartet einen eine klare Comedy-Serie mit jede Menge Slapstick, Situationskomik, Wortspiele, Parodien, Absurditäten, «Lüstlings-Humor» (getragen durch den entsprechenden Hauptcharakter Ataru), aber gelegentlich auch satirische Elemente oder Cameo-Auftritte. Daneben gibt es auch von Zeit zu Zeit Romantik, Ernsthaftigkeit oder Dramatik und ein Paar wenige Male sogar regelrechte Mindfucking-Episoden, in welchen der spätere Stil von Mamoru Oshii zum Vorschein kommt. Vom Setting her hat man es mit dem gewöhnlichen Japan der damaligen Zeit zu tun, allerdings angereichert um einiges an Sci-Fi, japanischer Folklore und mehr. Die einzelnen Folgen sind in Teilen schon ein wenig repetitiv, gleichwohl gibt es immer wieder wirklich innovative Episoden und generell ein hohes Maß an Kreativität, sodass man weiterhin bei der Stange gehalten wird. Ein letzter Aspekt, welcher nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Tatsache, dass der Anime die damalige japanische Gesellschaft in mehrfacher Weise symbolisch darstellt und kritisch betrachtet, sei es hinsichtlich der Rolle der Frau oder dem Familienbild. Dies ist aber zumeist ziemlich subtil und mag dem modernen Zuschauer, welcher, mit den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen in Japan nicht so vertraut ist, auch nicht unbedingt auffallen. 

 

Charaktere:

Die Charaktere mögen aus heutiger Sicht vielfach eher stereotyp wirken. Man sollte hierbei allerdings nicht außer Acht lassen, dass zum Entstehungszeitpunkt des vorlagegebenden Manga das Medium noch einen deutlich kleineren Stellenwert als heute einnahm und viele der allseits bekannten Motive und Konventionen damals noch gar nicht etabliert waren, sodass «Urusei Yatsura» auch bei den Charakteren weit innovativer ist, als es unter Umständen den Anschein macht. Das soll nicht heißen, der Anime wäre aus moderner Sicht langweilig, denn die Figuren verfügen – alleine schon wegen des Genres – zwar nicht umbedingt über die größte Tiefe, aber sind umso mehr sympathisch und es macht Spaß, ihnen zuzuschauen.

 

Musik:

Der Anime hat alles in allem einen wirklich guten Soundtrack mit einer Menge guten und bisweilen eingängigen Stücken und gehöriger Vielfalt, von Popstücken über Klassik bis hin zu Jazz. Vom Niveau her ist die musikalische Untermalung auf jeden Fall vergleichbar mit andern Takahashi-Animes.

Openings und Endings gibt es natürlich angesichts der Serienlänge einige, im Folgenden sind zwei exemplarisch verlinkt. Auch hier kann ich lobende Worte finden. Zwar hat mir nicht jeder Song gefallen, aber es waren doch genügend in meinen Augen ordentliche Stücke dabei, was man ja nicht von jedem Anime behaupten kann.

>> Opening 3
>> Opening 6

 

Bild:

«Urusei Yatsura» ist über 30 Jahre alt. Entsprechend ist die Optik natürlich weit entfernt von der heutiger Serien. Das muss nichts Schlechtes sein, sondern ist zu einem guten Stück wohl eher eine Geschmacksfrage. Freilich sind die Hintergründe nicht so detailliert, dafür hat man aber den handgezeichneten Look und die warmen Farben, welche meines Erachtens auch ihren Charme haben. Der Zeichenstil weicht am Anfang noch etwas von Takahashis späterem Werk ab, im Verlauf nähert er sich diesem aber deutlich an (siehe Screenshots im Folgenden), sodass Kenner von «Ranma 1/2» in etwa wissen, was sie optisch erwartet.

 

Fazit:

«Urusei Yatsura» ist ein Klassiker, der auch heute noch durchaus sehenswert ist. Angesichts der schieren Länge und dem episodischem Stil ist der Anime sicher für den einen oder anderen zunächst einmal abschreckend. Wer aber Comedy mag und wem insbesondere «Ranma 1/2» gefallen hat, der wird auch hier jede Menge Spaß haben.

 

Quelle: aniSearch (Inhaltsangabe)