Diese Woche präsentieren wir euch einen Klassiker des RomCom-Genres, der auch heute noch einen Blick wert ist: «Kare Kano».

Die 26-teilige Serie entstand 1998 bei den Studios Gainax und J.C.Staff. Sie basiert auf einem Manga von Masami Tsuda. Als Regisseur fungierte in den ersten 18 Folgen Hideaki Anno (u.a. «Neon Genesis Evangelion»), danach übernahm aufgrund interner Streitigkeiten Kazuya Tsurumaki.

In Deutschland hat Nipponart den Anime lizenziert und veröffentlicht in Kürze eine Gesamtausgabe der Serie auf DVD.

 

Darum geht es in «Kare Kano»:

Wer erinnert sich nicht an seine 1. Liebe? Vor allem an die schönen Zeiten zu Anfang der noch so jungen Liebe? Oder einfach daran wie alles begann? Yukino ist das «Strebermädchen» Nr. 1 auf ihrer Schule. Schlau und beliebt, kann man meinen, dass Yukino ein tolles Mädchen ist. Doch das ist alles Fassade. Sie kann es nicht ausstehen “hinten” dran zu sein und hat Angst unbeliebt und einsam zu sein, wenn sie nicht das ist, was sie allen vorgibt. Eines Tages taucht Arima in der Schule auf und setzt sich ebenfalls an die Schulspitze. Das stößt Yukino natürlich sauer auf und sie versucht ihn zu demütigen, wo sie nur kann. Doch der Schuss geht nach hinten los: Als Arima bei ihr zu Hause etwas abgeben will, sieht er sie das erste Mal in ihrer «Alltagskleidung». Daher erpresst er sie, seine Hausaufgaben zu erledigen, damit er schweigt. Damit verletzt er sie zu tiefst und auch er ist sich ziemlich unsicher in seinen Verhalten. Es kommt wie es kommen musste. Beide haben eine Aussprache nach der Schule und kommen sich dabei näher. Der Beginn einer großen Liebe?

 

Handlung & Charaktere:

Die Hauptheldin Miyazawa ist immer die beliebteste und beste Schülerin gewesen. Die Bewunderung seitens der Klassenkameraden ist dabei der wesentliche Antrieb für die Jugendliche, die schöne Fassade aufrecht zu erhalten. Als Arima auf den Plan tritt und Miyazawa die Show stiehlt ist es folglich nicht verwunderlich, dass diese ihn zunächst überhaupt nicht ausstehen kann. Es dauert jedoch nicht lange, bis die beiden ihren Konflikt begraben und alsdann ein Paar werden. Die Beziehung der beiden ist der zentrale Plotfaden der Serie und weiß als solcher auch zu überzeugen. Auch Arima versteckt sein wahres Ich und gibt sich vorbildlich, hat jedoch eine belastete Kindheit hinter sich. Daneben weisen einige der Nebencharaktere ebenso einen schwierigen Hintergrund auf, der ihre jeweilige Persönlichkeit spürbar prägt. Die Produktion gewährt teils tiefe Einblicke in das schwierige Seelenleben der Personen. Insbesondere die beiden Hauptfiguren werden durch viele Monologe eingehend porträtiert. Verwunderlich ist das allein schon deshalb nicht, weil Hideaki Anno als Regisseur fungierte. Nichtsdestoweniger erwartet den Zuschauer keine schwermütige Kost, sondern eine weitergehend heitere Geschichte mit viel Humor und Charakteren, die einfach nur Wärme versprühen. Durch die stellenweise Überdramatisierung der Probleme kommt der Anime irgendwie unschuldig und idealistisch daher. Bezüglich den Dialogen muss ich den Verantwortlichen ein großes Lob aussprechen, sie sind glaubhaft, vielfältig, metaphorisch, bisweilen sogar künstlerisch. Dies gilt noch mehr für die Monologe, die reichlich zum Einsatz kommen und dank derer man optimal mit der Person mitfühlen kann, ihre Gedanken vollends versteht und die auch wesentlich zum großen Realismus und zur Glaubwürdigkeit der Serie beitragen. Was «Kare Kano» überdies sehr hoch anzurechnen ist, sind die zahlreichen kleinen und großen Botschaften, aus denen der Zuschauer einiges auch in das echte Leben mitnehmen kann, beispielsweise, dass man sich nicht zu sehr verstellen sollte, da sonst persönliche Unzufriedenheit und Unerfülltheit auf lange Sicht die logische Folge sind.
Wo viel Licht ist, ist leider auch Schatten. Zu aller Erst wären da die vielen Wiederholungen anzukreiden. So sind die Rückblenden am Anfang der Folge ziemlich lang, ähneln sich stark und fassen nicht einfach die letzte Episode zusammen. Nein, der ganze bisherige Plot wird häufig wiederholt. An die Spitze getrieben wird dies durch drei reine Wiederholungsfolgen. Es ist absolut nicht nachzuvollziehen, warum die Produzenten zu einer solchen Maßnahme gegriffen haben. Die zeitraubenden Rückblenden werden noch bedauerlicher, wenn man bedenkt, dass die Serie an einigen Stellen, vor allem auf den Nebencharaktere bezogen, durchaus noch etwas mehr in die seelische Tiefe hätte gehen dürfen. Dafür wäre die verschwendete Zeit bitter nötig gewesen. Ein weiterer Kritikpunkt ist das schlechte Ende. Eine Nebengeschichte, die gegen Ende des Animes begann, wird in der letzten Folge völlig unzureichend und überhastet zu Ende gebracht. Andere Side-Storys und die Hauptgeschichte finden dagegen überhaupt keinen nennenswerten Abschluss. Eine zweite Staffel hätte diesem Problem wohl begegnen können, ist aber aufgrund von Zerwürfnissen mit der Mangaka aber nie produziert worden.

 

Musik:

Das Opening ist musikalisch gelungen und auf in seiner Bebilderung ansprechend. Das Ending war nett, aber nicht mehr. Ungewöhnlich war bei letzterem, dass das Video sich jede Folge änderte, trotz gleichbleibendem Ending-Song. Häufig gab es Kamerafahrten durch die Realwelt zu sehen, etwa durch eine Schule. Manchmal gab es als Ending lediglich Standbilder zu sehen, weshalb ich auf dieses große Variantenreichtum der Endings auch gut hätte verzichten können.
Der Soundtrack hat ein Paar schöne Streichereinlagen zu bieten. Domiert wird der Anime jedoch durch Klavierstücke, die allesamt gelungen sind und die jeweilige Szene wunderbar zu unterstreichen wissen.

 

Bild:

Der Zeichenstil konnte mich absolut überzeugen. Zugegeben, ich bin ein Fan des 90er-Jahre Anime-Looks, jedoch sind die Bilder auch aus objektiver Perspektive im Anbetracht der Entstehungszeit auf jeden Fall überdurchschnittlich. Die handgezeichneten Bilder und pastellenen Farben versprühen einfach einen ganz eigenen Charme. Lediglich das relativ häufige Recycling von Einstellungen ist zu bemängeln. Sehr bemerkenswert ist, dass “Kare Kano” bildtechnisch darüber hinaus viele ungewöhnliche Wege beschreitet. Die Verantwortlichen haben sich in dieser Hinsicht künstlerisch wahrlich ausgetobt. Nicht selten wurden Realbilder als Hintergründe verwendet, mit Schwarz-Weiß gearbeitet, Legetricktechnik verwendet oder schlicht Manga-Zeichnungen abgefilmt. Zudem gibt es viele Chibi-Elemente zu Comedy-Zwecken, für die damalige Zeit noch halbwegs ungewöhnlich. Ob man sich mit den Stilmitteln anfreunden kann oder nicht, ist letztlich eine persönliche Frage. Mich haben sie jedenfalls wegen ihrer Unkonventionalität sicher nicht gestört.

 

Fazit:

Sicher hat «Kare Kano» seine kleinen Schwächen. Die unzähligen Rückblenden sind nervtötend und das Ende unbefriedigend. Aber diese Dinge sind zu verschmerzen, denn man bekommt eine gelungene und in mancherlei Hinsicht erfrischend unkonventionelle Geschichte sowie glaubwürdige und sympathische Charaktere geboten. Auch die Bebilderung und Vertonung weiß zu gefallen, zumindest wenn man etwas für Animes der 90er-Jahre übrig hat. Übrigens ist auch die deutsche Synchronisation absolut gelungen. Alles in allem ist «Kare Kano» qualitativ weit überdurchschnittlich und ich kann die Serie jedem uneingeschränkt weiterempfehlen, der mit RomComs älteren Stils etwas anfangen kann.

 

Quelle: aniSearch (Inhaltsangabe)