Heute stellen wir euch mit «Kare Kano» einen wahren Klassiker des RomCom-Genres vor. Ob es uns der Anime überzeugen konnte, erfahrt ihr in dieser Review …

  • Publisher: Nipponart
  • Erscheinungstermin: 30.03.2018
  • FSK: Ab 6 Jahren freigegeben
  • Spieldauer: 650 Minuten
  • Genre: Romantische Komödie
  • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Japanisch (Dolby Digital 2.0)
  • Untertitel: Deutsch
  • Anzahl Discs: 5
  • Regisseur: Hideaki Anno
  • Studio: Gainax, J.C.Staff
  • Produktionsjahr: 1998

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Inhalt (7/10)

Auf Yukino Miyazawa lastet ein enormer Erfolgsdruck. Bislang hatte sie ein perfektes Image und war durch harte Arbeit immer die Klassenbeste und bei jedem beliebt. Im neuen Schuljahr sollte sich dies aber ändern. Sie bekommt plötzlich Konkurrenz von Soichiro Arima, einem Jungen aus gutem Hause. Yukino kann ihn vom ersten Augenblick an nicht ausstehen, da er sie in allen Bereichen mit Leichtigkeit übertrumpft. Um sich ihre Position zurückzuerobern, sinnt sie nach Rache. Doch aus Rache wird schnell Liebe…

Beurteilung

Die Hauptheldin Miyazawa ist immer die beliebteste und beste Schülerin gewesen. Die Bewunderung seitens der Klassenkameraden ist dabei der wesentliche Antrieb für die Jugendliche, die schöne Fassade aufrecht zu erhalten. Als Arima auf den Plan tritt und Miyazawa die Show stiehlt ist es folglich nicht verwunderlich, dass diese ihn zunächst überhaupt nicht ausstehen kann. Es dauert jedoch nicht lange, bis die beiden ihren Konflikt begraben und alsdann ein Paar werden. Die Beziehung der beiden ist der zentrale Plotfaden der Serie und weiß als solcher auch zu überzeugen. Auch Arima versteckt sein wahres Ich und gibt sich vorbildlich, hat jedoch eine belastete Kindheit hinter sich. Daneben weisen einige der Nebencharaktere ebenso einen schwierigen Hintergrund auf, der ihre jeweilige Persönlichkeit spürbar prägt. Die Produktion gewährt teils tiefe Einblicke in das schwierige Seelenleben der Personen. Insbesondere die beiden Hauptfiguren werden durch viele Monologe eingehend porträtiert. Verwunderlich ist das allein schon deshalb nicht, weil Hideaki Anno als Regisseur fungierte. Nichtsdestoweniger erwartet den Zuschauer keine schwermütige Kost, sondern eine weitergehend heitere Geschichte mit viel Humor und Charakteren, die einfach nur Wärme versprühen. Durch die stellenweise Überdramatisierung der Probleme kommt der Anime irgendwie unschuldig und idealistisch daher. Bezüglich den Dialogen muss ich den Verantwortlichen ein großes Lob aussprechen, sie sind glaubhaft, vielfältig, metaphorisch, bisweilen sogar künstlerisch. Dies gilt noch mehr für die Monologe, die reichlich zum Einsatz kommen und dank derer man optimal mit der Person mitfühlen kann, ihre Gedanken vollends versteht und die auch wesentlich zum großen Realismus und zur Glaubwürdigkeit der Serie beitragen. Was «Kare Kano» überdies sehr hoch anzurechnen ist, sind die zahlreichen kleinen und großen Botschaften, aus denen der Zuschauer einiges auch in das echte Leben mitnehmen kann, beispielsweise, dass man sich nicht zu sehr verstellen sollte, da sonst persönliche Unzufriedenheit und Unerfülltheit auf lange Sicht die logische Folge sind.
Wo viel Licht ist, ist leider auch Schatten. Zu allererst wären da die vielen Wiederholungen anzukreiden. So sind die Rückblenden am Anfang der Folge ziemlich lang, ähneln sich stark und fassen nicht einfach die letzte Episode zusammen. Nein, der ganze bisherige Plot wird häufig wiederholt. An die Spitze getrieben wird dies durch drei reine Wiederholungsfolgen. Es ist absolut nicht nachzuvollziehen, warum die Produzenten zu einer solchen Maßnahme gegriffen haben. Die zeitraubenden Rückblenden werden noch bedauerlicher, wenn man bedenkt, dass die Serie an einigen Stellen, vor allem auf den Nebencharaktere bezogen, durchaus noch etwas mehr in die seelische Tiefe hätte gehen dürfen. Dafür wäre die verschwendete Zeit bitter nötig gewesen. Ein weiterer Kritikpunkt ist das schlechte Ende. Eine Nebengeschichte, die gegen Ende des Animes begann, wird in der letzten Folge völlig unzureichend und überhastet zu Ende gebracht. Andere Side-Storys und die Hauptgeschichte finden dagegen überhaupt keinen nennenswerten Abschluss. Eine zweite Staffel hätte diesem Problem wohl begegnen können, ist aber aufgrund von Zerwürfnissen mit der Mangaka nie produziert worden.

Bild (7/10)

Ich muss zugeben, ich bin ein Fan der Optik älterer Animes, wo noch alles per Hand entstand und entsprechend war ich sofort angetan von dem charmanten pastellartigen Look der Serie. Allerdings ist «Kare Kano» auch aus einer objektiveren Perspektive betrachtet ein in Sachen Bild recht gelungenes Werk, vor allem im Anbetracht der Entstehungszeit. Lediglich das relativ häufige Recycling von Einstellungen ist zu bemängeln. Außerdem darf man natürlich keine besonders detailreichen Hintergründe erwarten. Sehr bemerkenswert ist, dass der Anime bildtechnisch darüber hinaus viele ungewöhnliche Wege beschreitet. Die Verantwortlichen haben sich in dieser Hinsicht künstlerisch wahrlich ausgetobt. Nicht selten wurden Realbilder als Hintergründe verwendet, mit Schwarz-Weiß gearbeitet, Legetricktechnik verwendet oder schlicht Manga-Zeichnungen abgefilmt. Zudem gibt es viele Chibi-Elemente zu Comedy-Zwecken, für die damalige Zeit noch halbwegs ungewöhnlich. Ob man sich mit den Stilmitteln anfreunden kann oder nicht, ist letztlich eine persönliche Frage. Mich haben sie jedenfalls wegen ihrer Unkonventionalität sicher nicht gestört.

    

 

Musik (9/10)

Das Opening hat mir gut gefallen, sowohl musikalisch als auch optisch. Hingegen fand ich das Ending eher durchschnittlich. Ungewöhnlich war bei letzterem, dass das Video sich jede Folge änderte, trotz gleichbleibendem Ending-Song. Häufig gab es Kamerafahrten durch die Realwelt zu sehen, etwa durch eine Schule. Manchmal präsentierte das Ending aber auch lediglich Standbilder, weshalb ich auf dieses große Variantenreichtum der Endings auch gut hätte verzichten können.
Der Soundtrack hat ein Paar schöne Streichereinlagen zu bieten. Domiert wird der Anime jedoch durch Klavierstücke, die allesamt gelungen sind und die jeweilige Szene wunderbar zu unterstreichen wissen. Man erkennt klar die Handschrift des berühmten verantwortlichen Komponisten Shiro Sagisu (u.a. «Neon Genesis Evangelion»), welcher auch hier wieder eine hervorragende Arbeit abgeliefert hat.

>> Opening

>> Ending

 

Deutsche Lokalisierung (9/10)

Die hiesige Synchronisation entstand bei der Kuraoka Entertainment GmbH und der Berlin & Bikini Studios GmbH unter der Dialogregie von Mario von Jascheroff. Zu hören sind mehrere aus anderen Animes gut bekannte Sprecher, insbesondere in den Hauptrollen Constantin von Jascheroff (u.a. Syrus Truesdale in «Yu-Gi-Oh! GX») als Arima Souichirou und Rubina Nath (u.a. Astro Boy in «Astro Boy») als Yukino Miyazawa. Auch die Nebenrollen wurden vielfach prominent besetzt, sodass man eine solide Leistung der Beteiligten erwarten konnte. Und in der Tat kann die deutsche Sprachfassung vollends überzeugen und liegt deutlich über dem (Anime-)Durchschnitt. Gerade die treffliche Transportierung der Gefühle und Emotionen der beiden Protagonisten möchte ich herausheben, nicht zuletzt da «Kare Kano» in dieser Hinsicht durchaus hohe Ansprüche an seiner Sprecher stellt.

Wer dennoch lieber zum japanischen Original greifen möchte, hat diese Möglichkeit wie gewohnt, denn auch diese Version findet sich samt deutschen Untertiteln auf den Discs. Die Untertitel sind in weiß samt schwarzer Umrandung gehalten und gut leserlich. Löblicherweise wurden auch Schriftzeichen im Bild übersetzt, allerdings gilt dies leider nicht für jeden Fall und vor allem sind diese Übersetzungen mehrfach seltsam grau-verwaschen und dadurch kaum lesbar. Aus diesem Grund vergebe ich auch nur 9/10 Punkten, hier müsste unbedingt nachgebessert werden.

Charakter Deutsche Stimme Charakter Deutsche Stimme
Arima Souichirou Constantin von Jascheroff Maho Izawa Giuliana Jakobeit
Yukino Miyazawa Rubina Nath Aya Sawada Sonja Spuhl
Hideaki Asaba Nicolás Artajo Tsubasa Shibahime Cathlen Gawlich
Hiroyuki Miyazawa Mario von Jascheroff Sakura Tsubaki Julia Kaufmann
Kano Miyazawa Anja Rybiczka Sena Rika Julia Ziffer
Katsuma Ikeda Kim Hasper Shouji Arima Stefan Gossler
Kawashima-sensei Bodo Wolf Takefumi Tonami Tobias Müller

Verpackung und Extras (10/10)

Die «Kare Kano»-Gesamtausgabe kommt als Digipack im Schuber daher. Hierbei werden auf den Seiten des Digipacks die wichtigsten Charaktere mit Namen samt Artwork vorgestellt.

Als haptische Extras erwartet den Käufer ein postkartengroßer Sticker sowie ein Poster, auf welchem die beiden Hauptcharaktere zu sehen sind. Die digitalen Bonusinhalte umfassen drei Interviews der japanischen Synchronstimmen samt englischer Untertitelung sowie ein achtminütiges «Hinter den Kulissen»-Video, welches Einblicke in die deutsche Synchronisierung gewährt.

Alles in allem lassen die Aufmachung der Box und die Extras kaum Wünsche offen. Natürlich wären prinzipiell noch weitere Bonusinhalte wie beispielsweise eine Soundtrack-CD denkbar gewesen, aber angesichts des günstigen Preises vermisst man solche Dinge nicht.

 

Fazit

«Kare Kano» ist ein RomCom-Klassiker, der bis heute kaum etwas von seinem Reiz eingebüßt hat. Sicher hat die Serie auch ihre Schwächen, insbesondere die zahlreichen Rückblenden und das suboptimale Ende sind diesbezüglich zu nennen. Aber blickt man darüber hinweg, bekommt eine gelungene und in mancherlei Hinsicht erfrischend unkonventionelle Geschichte sowie glaubwürdige und sympathische Charaktere geboten. Auch die Bebilderung weiß zu gefallen, zumindest wenn man etwas für Animes der 90er-Jahre übrig hat. Der Soundtrack sowie die deutsche Synchronisation lassen kaum Wünsche offen, ähnlich wie auch die Ausstattung der DVD-Gesamtausgabe. Zusammengefasst kann ich für «Kare Kano» eine klare Kaufempfehlung aussprechen, zumindest für alle Fans von Romanzen, welche eine ausführliche und intensive Porträtierung der Charaktere schätzen.

Bewertung

Inhalt (x3)                                7/10
Bild               7/10
Musik                                  8/10
Deutsche Lokalisierung 9/10
Verpackung & Extras 10/10

Gesamt                               

 7,9/10

Wir bedanken uns bei Nipponart für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.