Seit dem 3. März 2017 ist die Nintendo Switch weltweit erhältlich und seither sind auch die Onlineserver für die Käufer erreichbar. Ab 2018 möchte Nintendo aus dem Netzwerk einen Bezahldienst machen. Doch lohnt sich der Service bisher? Wir haben uns «Nintendo Switch Online» für euch genauer angeschaut.

Zunächst haben wir das Spiel «FAST RMX» auf der Nintendo Switch getestet. Hier lief alles im Grunde ganz solide. Nur gab es häufig Anzeigefehler, die Nutzer bereits von der Nintendo WIFI-Connection oder dem Nintendo Network gut kennen dürften. Der Grund hierfür ist denkbar einfach: Nintendo hat immer noch keine serverbasierten Netzwerkverbindungen am Laufen. Dies nennt sich Peer-to-Peer. Ein Spieler verbindet sich zunächst mit einem Nintendo-Server. Der Server prüft, ob der Spieler die richtige Konsolenversion installiert hat und (ggf. in der Zukunft, ob der Bezahldienst abonniert ist). Im Anschluss verbindet der Server den Spieler mit dem Matchmaking-Server. Dieser Server teilt die Spieler den Partien zu und verbindet die Spieler einmalig miteinander. Der nachfolgende Datenaustausch läuft ausschließlich über die Spieler ab. Nur hin und wieder tauscht der Gastgeber (der zufällig ausgewählt wird) mit dem Matchmaking-Server den aktuellen Stand der Partie aus (z.B. wieviele Spieler spielen, wieviele Slots für Spieler sind frei, wer ist aus dem Spiel geflogen oder hat es verlassen, ggf. benutzt ein Spieler nicht erlaubte Cheats).

Ein sehr häufiger Fehler bei nahezu allen Nintendo Online-Spielen

Bei dem Spiel «Mario Kart 8 Deluxe» gab es aufgrund des nicht ausgereiften Netcode (der Software, mit dem das Spiel sich mit dem Server und den Mitspielern verbindet) bis einschließlich Ende Juni sehr viele Verbindungsfehler wie zum Beispiel “Fehler in der Datenübertragung”. Das passiert meist dann, wenn der Gastgeber eine schlechte Internetverbindung hat oder wenn die Software vom Server nicht ordnungsgemäß programmiert worden ist. Diese Fehler gibt es immer noch, nur etwas seltener.

Bisher hat Nintendo sich noch nicht dazu geäußert, ob man jemals auf serverseitige Verbindungen (wie Sony oder Microsoft) umsteigen wird. Und auch bei «Splatoon 2» hat sich bei den Fehlern nichts geändert. Wir hatten schon viele Verbindungsfehler während Matches, was natürlich meist dazu führt, dass das eigene Team verliert. Manchmal werden auch Fehlermeldungen wie “Die andere Konsole antwortet nicht” ausgegeben, was alles Indizien für einen nicht optimal programmierten Netcode sind. Das Problem am Peer-to-Peer ist außerdem das einige Treffer von Items (bei Mario Kart 8 Deluxe) oder Schüsse (bei Splatoon 2) nicht gezählt werden, weil es schlichtweg keinen Onlineserver gibt und die Konsole des Gastgebers hierfür zuständig ist.

Mit dem Release von «Splatoon 2» ist noch eine App für Voice-Dienste hinzugekommen, wie es viele schon von Skype, Teamspeak oder Discord kennen. Der Unterschied zu den letzten dreien ist allerdings, dass die Nintendo App nicht ordnungsgemäß funktioniert und nicht gut durchdacht ist. Der Smartphone-Bildschirm muss während eines Voicechats ständig eingeschaltet sein. Man darf außerdem nicht während eines Chats gleichzeitig eine andere App verwenden. All dies führt zum sofortigen Disconnect. Die Konsole muss außerdem ständig angeschalten sein. Es ist nicht möglich sich also vorab im Voicechat zu treffen. Hinzu kommt noch die mangelhafte Qualität des Dienstes, der stets sehr dumpf klingt und der fehlenden Möglichkeit den Spielsound über die Kopfhörer auch hören zu können, mit Ausnahme der abenteuerlichen Konstruktion vom Hersteller Hori. Warum man nicht stattdessen einfach eine optimierte Discord-Version auf die Nintendo Switch bringen konnte, ist den meisten Nutzern schleierhaft. Der einzige Vorteil der App liegt darin, dass man benachrichtigt wird, wenn von einem Freund ein Raum eröffnet wird. Allerdings ist die App bisher ansonsten außer den zusätzlichen Spieldetails (z.B. das Splatnet 2) praktisch noch im Betastatus und hätte so niemals herausgebracht worden dürfen.

Eine wichtige Sache darf man nicht außer Acht lassen. Die Spiele unterscheiden bisher nicht, ob ein Spieler aufgrund seiner schlechten Internetverbindung aus dem Spiel geflogen ist, oder aufgrund des Onlinedienstes. Immer wird der Spieler hierfür bestraft. Bei «Splatoon 2» wird man nach einiger Zeit darauf hingewiesen, dass es sein könne, dass man von den Onlinediensten ausgeschlossen werde, wenn weiterhin Verbindungsabbrüche auftreten sollten.

Fazit: Bislang ist der Onlinemodus der Konsole eine Katastrophe und verdirbt manchmal den Spielspaß enorm. Zusätzlich muss man bedenken, dass Nintendo ab 2018 für diesen Dienst 20 € im Jahr haben möchte. Das ist zwar günstiger als die Konkurrenz, aber bei dieser läuft es trotz allem deutlich flüssiger, weil man dort hauptsächlich serverseitige Verbindungen verwendet. Nintendo muss massiv nachbessern: den Voice Chat Discord auf die Konsole bringen, serverseitige Verbindungen verwenden (hierfür müssten alle Spiele komplett umprogrammiert werden), einen besseren Netcode bei allen Spielen einsetzen. Ansonsten könnte dieser Onlinedienst schnell für Nintendo ein finanzielles Disaster werden.

Hinweis: Dies ist eine subjektive Einschätzung des Redakteurs. Sie spiegelt nicht zwingend die Meinung der MAnime-Redaktion wieder. (Stand der Review: 25.07.2017)

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