Diese Woche präsentieren wir euch ein sehenswertes Werk des südkoreanischen Kultregisseurs Park Chan-wook: «Durst».

Der Film entstand 2009 und basiert lose auf dem französischen Romanklassiker «Thérèse Raquin» von Émile Zola. Für die Produktion, welche von den ersten Ideen bis zur Vollendung ganze 10 Jahre in Anspruch nahm, arbeitete Chan-wook wie schon in «Joint Security Area», «Sympathy for Mr. Vengeance» und «Lady Vengeance» mit dem Schauspieler Song Kang-Ho zusammen.

 

Darum geht es in «Durst»:

Der Priester Sang-hyeon arbeitet ehrenamtlich in einem Krankenhaus. Um ein Heilmittel gegen den tödlichen Emmanuel-Virus zu finden, nimmt er freiwillig an einem Experiment teil. Doch Sang-hyeon wird durch verunreinigte Blutkonserven zu einer Art Vampir, der sich fortan von Blut ernähren muss. Zurück in seinem Heimardorf, wo niemand weiß, was beim Experiment eigentlich geschehen ist, wird er als Held und einziger Überlebender des Virus gefeiert. Sein Freund Kang-woo nimmt ihn bei sich und seiner Familie auf. Dort lernt er auch Kang-woos Frau Tae-joo kennen, die zutiefst von der Ehe und vom Hausfrauendasein gelangweilt ist. Sie und Sang-hyeon beginnen eine Affäre. Sang-hyeon vermutet, dass sein Freund seine Frau misshandelt und will ihn loswerden. Er ahnt jedoch nicht, dass Tae-joo Gefallen an der dunklen Seite ihrer Affäre findet und nur das Schlechte in ihm zum Vorschein bringt.

 

Beurteilung:

Obgleich «Durst» im Vampir-Setting angesiedelt ist, kann man das Werk nur schwerlich mit sonstigen (westlichen) Genrevertretern vergleichen. Natürlich trägt der Film wieder die typische Handschrift seines Regisseurs, kann mit ästhetischen Bildern, einem gelungenen Soundtrack und hervorragend aufgelegten Darstellern aufwarten. Fragen der Moral und Schuld, des Konflikt zwischen Es und Über-Ich werden verhandelt in diesem Drama und Psychogramm, das abseits üblicher Genre-Pfade wandelt. Sicher ist das Werk nicht ohne Schwächen, bisweilen etwas langatmig und nicht immer ganz mit der Spannung anderer Filme des Regisseurs gesegnet (was zugegebenermaßen aber auch der anderen Thematik geschuldet ist). Gleichwohl überwiegen die Stärken meines Erachtens deutlich und machen damit «Durst» zu einem absolut sehenswerten Werk.

 

Fazit:

Wer die Filme Park Chan-wooks (z.B. «Oldboy») kennt, weiß in etwa, was ihn stilistisch erwartet. Natürlich ist auch «Durst» mit seinen ästhetischen, erzählerischen und philosophischen Ambitionen kein Werk für die breite Masse. Wer dem Arthouse-Kino oder der südkoreanischen Filmlandschaft zugeneigt ist, sollte diesem innovativen Vampir-Drama aber auf jeden Fall eine Chance geben.

 

Quelle: Moviepilot (Inhaltsangabe)