Ghost in the Shell - Matrix Header

Anime haben eine beachtliche Fangemeinde und auch in Hollywood hat der japanische Animationsfilm seine Spuren hinterlassen, die in diesem Artikel beleuchtet werden sollen.

 

In Japan folgt auf einen erfolgreichen Anime nicht selten eine Live-Action Adaption. Als erstes nichtasiatisches Land produzierte Frankreich 1979 eine Realfilmumsetzung eines Anime

Die erste Realfilmadaption eines Anime im Westen war wohl «Lady Oscar», welcher 1979 in Frankreich produziert wurde.

Auch wenn Neunzigern noch kein Trend zu erkennen war, so erscheinen doch viele der damaligen Sciencefiction Anime durchaus geeignet für eine US-Adaption. Den ersten Versuch einer Realfilm Umsetzung eines Anime startete die USA 1991 mit dem B-Movie «The Guyver», basierend auf der Serie «Guyver – The Bioboosted Armor». In den darauffolgenden Jahren erschienen einige wenige Adaptionen, etwa «Fist of the North Star» (1995), der Film «Speed Racer» (2008) der bekannten Wachowski-Geschwister oder 2014 der Streifen «Kite – Engel der Rache». Doch alle bisherigen amerikanischen Live-Action Filme, die einen Anime adaptierten, floppten mehr oder weniger.

 

Dieses Scheitern ist kein Zufall. Denn viele Elemente, die in einem Anime funktionieren, stoßen in Realfilmen seltsam auf, etwa starkes Over-Acting. Ebenso trägt ein stark verändertes, verschlimmbessertes Dreh- und Dialogbuch meist zum Misserfolg der Werke bei. Außerdem ist das Budget häufig nicht besonders groß, was u.a. in schlechte Schauspieler und Spezialeffekte resultiert, gerade bei Fantasy und Sci-Fi Adaptionen eine Katastrophe. Besonders deutlich wird dies etwa anhand des 2009 erschienenen «Dragonball Evolution», der ja sogar ein beachtliches Budget von runden 45 Millionen Dollar (Einnahmen ca. 57 Millionen Dollar) aufwies.

Das folgende parodistische Video zeigt hier gut die vielen Probleme des Films auf.

 

 

Ich behaupte, es gab noch keine einzige US-Umsetzung eines Anime, die nicht Augenkrebs auslöst oder zumindest bleibende Schäden an den Zuschauern hinterlässt. Und diese Meinung teilen viele.

 

 

Doch wer glaubt, die Kombination Hollywood-Anime hätte grundsätzlich nicht gefruchtet, der irrt. Denn tatsächlich hatten und haben unsere geschätzten japanischen Produktionen einen großen Einfluss auf das amerikanische Kino ausgeübt.

Viele heute allgegenwärtige Elemente des amerikanischen Kinos gehen auf Anime zurück.

Beispielsweise beeinflusste das Mecha Genre viele Spielfilme («Pacific Rim», «Real Steel»,  «Transformers» usw.) inhaltlich und vor allem optisch stark, etwa die Designs von Kampfrobotern. Auch die «Drei-Punkt-Landung» ging von Japan aus (v.a. «Neon Genesis Evangelion» und «Ghost in the Shell»). Des Weiteren gehen Energiebälle, dunkle Städte im Neo-Noir-Stil, Bullet Time und Super Speed (s. «Matrix») oder auch das Filmthema Kybernetik stark bis gänzlich auf Anime zurück.

 

Außerdem gilt es, die offiziellen Remakes von denjenigen Filmen zu unterscheiden, die sich in unterschiedlicher Deutlichkeit von gewissen Anime «inspirieren» ließen. Unter solchen Filmen finden sich nämlich auch einige überaus erfolgreiche. Doch leider streiten die Macher jener Produktionen häufig ab, sich auf die entsprechenden Anime bezogen zu haben. Das mag in manchen Fällen stimmen, doch nicht selten muten diese Behauptungen geradezu lächerlich an, werden schließlich teils ganze Szenen schamlos abgekupfert.

 

Aber es gibt selbstverständlich auch zahlreiche Köpfe in Hollywood, die den Einfluss bestimmter Anime in ihre Filme offen zugeben, denn Freunde des japanischen Anime gibt es auch unter den amerikanischen Filmschaffenden.

Zu diese Leuten gehören unter anderem Leonardo DiCaprio, James Cameron, Quentin Tarantino (beauftragte Production I.G. mit der Produktion einer längeren Anime-Szene für «Kill Bill – Volume 1»), Steven Spielberg, Christian Bale, Megan Fox, Michael Bay, Larry und Andy Wachowski, Zac Efron, Keanu Reeves, Samuel L Jackson, Will Smith, Tobey Magier, Robert Pattinson, Robert Rodriguez, Daniel Radcliffe oder George Lucas.

 

 

Im Folgenden will ich euch einige Hollywood Filme präsentieren, die mehr oder weniger deutlich auf bestimmte Anime zurückgehen.

 

Den Anfang macht «König der Löwen». Der Film war extrem erfolgreich und spielte weltweit knapp eine Milliarde Dollar ein. Doch er ist quasi eine Kopie der Serie «Kimba, der weiße Löwe», welche 1965 in Japan debütierte. Die Story des US-Film ist der Vorlage extrem ähnlich, viele Szenen wurden fast identisch übernommen. Selbst beim Namen des Protagonisten von «König der Löwen» hat man sich bedient. Anstelle von Kimba im Anime heißt der Löwe nun Simba. Kommt schon, ihr habt es nicht einmal versucht! Ursprünglich sollte Simba sogar genau wie Kimba ein weißes Fell tragen.

König der Löwen vs. Kimba, der weiße Löwe 2 König der Löwen vs. Kimba, der weiße Löwe 1

 

«Avatar – Aufbruch nach Pandora» spielte weltweit unglaubliche 2,78 Milliarden Dollar ein. Relativ unbeachtet blieben jedoch die deutlichen Parallelen zu einigen Ghibli Werken. Wie in «Prinzessin Mononoke» und «Nausicaä aus dem Tal der Winde» kämpft eine junge naturverbundene Frau gegen mit hochmodernen Waffen ausgestattete Invasoren, um die Natur zu schützten. Die Grundsätzliche Geschichte des Blockbusters ähnelt, außer bei den Orten und Namen, stark dem Plot der beiden Anime. Das Konzept der fliegenden Felsen tauchte bereits in «Das Schloss im Himmel» auf, einen übernatürlicher kraftvoller Baum mit Heilkräften gibt es auch in «Prinzessin Mononoke». Der Verdacht der Inspiration des US-Films durch diese Filme erhärtet sich zudem dadurch, dass James Cameron (Regisseur von «Avatar – Aufbruch nach Pandora») ein bekennender Ghibli Fan ist.

 

Der Film «Matrix» hat sich vieles von „Ghost in the Shell“ abgeguckt, weniger in Sachen Story, als vielmehr bei Ideen und Themen. Die Wachowskis gaben den Anime sogar wiederholt neben Akira als Inspirationsquelle für ihr «Matrix» an. Ein Beispiel für die Ähnlichkeit beider Filme ist etwa eine Szene aus «Ghost in the Shell», in der ein Müllmann realisiert, dass seine kompletten Erinnerungen von einem Hacker namens Puppet Master fabriziert wurden. Die Similarität zum Hollywood Streifen ist offensichtlich. Denn dort wird Neo von Morpheus unterrichtet, dass die Welt, in der er zu leben glaubt, lediglich eine computergenerierten Traumwelt, die «Matrix» ist. Weniger bekannt, aber sehr beachtenswert sind die starken Parallelen des amerikanischen Films zur OVA «Megazone 23», gerade hinsichtlich des Drehbuchs.

 

Ein weiteres Beispiel ist der Film «Her», der, wenn auch weniger offensichtliche, Parallelen zur Animeserie «Chobits» aufweist. Zwar sind die beiden Werke ästhetisch völlig unterschiedlich, doch in Sachen Story weisen sie einige Ähnlichkeiten auf. So verliebt sich in beiden Produktionen der Protagonist in einen Computer mit menschlichem Antlitz.

 

Weitere US-Filme mit starken Anime Bezügen sind «Transcendence» (hinsichtlich «Serial Experiments Lain»), «Dark City» (hinsichtlich «Akira») oder «Mad Max 2» (hinsichtlich «Fist of the North Star»).

 

Zuletzt will ich einen Mann herausstellen, der wie kein zweiter Anime Regisseur das amerikanische Kino beeinflusst hat. Gemeint ist der 2010 verstorbene Satoshi Kon. Sein Debütfilm «Perfect Blue» war einer der Auslöser einer ganzen Bewegung von Filmen, die sich durch die Themen Philosophie, sowie Wahrnehmung und Realität auszeichneten, etwa «Fight Club» (1999), «American Psycho» (2000) oder «Vanilla Sky» (2001). Mehrere seiner Filme bildeten vermutlich die Vorlage für einige sehr erfolgreiche Produktionen Hollywoods.

So wurde der Film «Black Swan» überdeutlich von «Perfect Blue» geprägt, auch wenn dessen Regisseur Darren Aronofsky dies abstreitet. Etwa sind viele der verwirrenden Ereignisse, die Nina in «Black Swan» erlebt fast identisch zu den entsprechenden Szenen im japanischen Titel. Selbst im Bereich der Filmplakate kopierte der Amerikaner dreist vom Original (blutunterlaufene Ballerina im «Black Swan»-Plakat im Vergleich zum blutunterlaufenem Pop Idol auf dem «Perfect Blue»-Plakat).

Black Swan vs. Perfect Blue

 

Auch «Requiem for a Dream» des gleichen Filmemachers weist offensichtlichste Parallelen zu «Perfect Blue» auf. Aronofsky kaufte sogar die Rechte am Anime, um eine Szene folgende Szene exakt für «Requiem for a Dream» zu kopieren (und die Verbindung dennoch leugnet!).

 

 

Der Kassenschlager «Inception» von Christopher Nolan bediente sich eifrig bei Satoshi Kons «Paprika». Die Ähnlichkeiten sind unübersehbar. Das gilt vom Grundkonzept bis hin für konkrete Szenen und Motive. Beispielsweise gibt es in beiden Filmen eine Traummaschine, die Zugang zu den Gedanken anderer verschafft. Auch die Frage, was real und was geträumt ist, beschäftigt beide Werke. Sogar repräsentiert der Aufzug in beiden Produktionen die Schichten des Unterbewusstseins.

Inception vs. Paprika

 

 

Wie ihr sehen konntet, gingen viele Filme und Filmideen auf Anime zurück. Daher ist es nicht verwunderlich, dass trotz dem Eingangs erwähnten grandiose Scheitern der bisherigen offiziellen amerikanischen Anime Live-Action Adaptionen viele weitere Filme dieser Art in Planung sind.

 

Die Dreharbeiten eines US-Ableger von «Ghost in the Shell» sollen Anfang 2016 in Neuseeland starten, voraussichtlich wird der Film am 30. März 2017 in die deutschen Kinos kommen. Regie führt Rupert Sanders, die Hauptrolle übernimmt Scarlett Johansson. Das Drehbuch des Films von DreamWorks stammt von Jamie Moss und William Wheeler und soll von Jonathan Herman überarbeitet werden, wie Oktober 2015 bekannt wurde.

 

Auch «Death Note» soll eine Realfilmadaption aus Amerika erhalten. Regisseur wird Adam Winguard sein, die jetzige Drehbuchfassung stammt von Jeremy Slater. Nat Wolff soll sich in finalen Gesprächen für die Hauptrolle befinden. Die Dreharbeiten werden wohl Anfang 2016 beginnen.

 

James Cameron plant schon seit langem eine Verfilmung seines Lieblingsmanga «Battle Angel Alita». Da er allerdings durch die «Avatar» Sequels gebunden ist, wünscht er sich Robert Rodriguez als Regisseur für die Verfilmung seines Drehbuchs.

 

In der Vergangenheit wurden zwar zahlreiche Hollywood Adaptionen von Anime verkündet oder entsprechende Gerüchte verbreiteten sich, allerdings wurden bzw. werden nur wenige dieser Filme tatsächlich umgesetzt. Daher sind die folgenden Gerüchte mit größter Vorsicht zu betrachten und auch die Umsetzung von «Battle Angel Alita» steht letztlich in den Sternen.

So arbeite etwa Marco J. Ramirez an einem Drehbuch für «Akira». Michael Graycey soll die Regie bei einer «Naruto» Live-Action Produktion führen. Eine «Tiger and Bunny» Adaption soll von Ron Howard und Brian Glazer produziert werden, während James Wan angeblich die Regie für einen «Robotech» Spielfilm übernimmt. Auch Gerüchte über eine Verfilmung von «Cowboy Bebop», «Afro Samurai» und «Hellsing» machen die Runde.

 

Ausblick: 

Bisher konnte mich wie gesagt keine offizielle Hollywood Adaption eines Anime überzeugen. Und wenn ich mir die Besetzung der angekündigten bzw. vermuteten zukünftigen Projekte dieser Art anschaue, stimmt mich dies auch nicht gerade optimistisch. Lediglich in das mögliche «Battle Angel Alita» stecke ich gewisse Erwartungen: Ein Drehbuch von James Cameron und eine womögliche Regie von Robert Rodriguez, das klingt doch recht vielversprechend.

Definitiv würde eine gute US-Live-Action Variante eines Anime dem Medium Anime einen großen Auftrieb verschaffen. Denn sollten die Kinogänger vom Film begeistert sein, werden viele vielleicht auch die Qualität der Vorlage einsehen. Und dies würde eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz und Popularität von japanischer Popkultur zur Folge haben.

 

Quellen: moviepilot.de, moviepilot.com, millus.org, gamona.de, filmstarts.de, ew.com, io9.com, goboiano.com, orzzzz.com, whatculture.com, gamesradar.com, thedailybest.com, therobotsvoice.com