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Nipponart spendiert dem Mecha-Klassiker «Eureka Seven» eine Neuauflage in 2 Volumes, erstmals auch auf Blu-ray. Ob sich der Kauf der ersten Box lohnt, erfahrt ihr im Folgenden.

Eureka Seven Vol. 1 Blu-ray Cover

 

  • Regisseur: Tomoki Kyoda
  • Studio: Bones
  • Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Japanisch (PCM 2.0 Stereo)
  • Untertitel: Deutsch
  • Bildformat: 4:3
  • Anzahl Disks: 4
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • Publisher: Nipponart
  • Erscheinungstermin: 15. Februar 2016
  • Produktionsjahr: 2005
  • Spieldauer: 625 Minuten

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Worum geht es in «Eureka Seven – Box Vol.1»?

Der 14-jährige Renton wünscht sich nichts sehnlicher, als aus seinem langweiligen Alltag auszubrechen und Abenteuer zu erleben. Als eines Tages der riesige Roboter Nirvash in sein Zimmer stürzt und mit ihm dessen mysteriöse Pilotin Eureka, soll sich das Leben des Jungen tatsächlich drastisch verändern und sein größter Wunsch in Erfüllung gehen. Dass Abenteuer allerdings nicht nur Spaß bedeuten, muss Renton jedoch bald schon am eigenen Leib erfahren.

Eureka Seven Vol. 1 - Screenshot 3  Eureka Seven Vol. 1 - Screenshot 4

Beurteilung

«Eureka Seven» beginnt absolut klischeebeladen: Ein kleiner, naiver Junge wird aus seinem langweiligen Alltag gerissen und findet sich plötzlich als als Pilot eines Mecha wieder – zusammen mit einem schönen Mädchen, in das er sich sofort verliebt. Die ersten Folgen haben sicherlich keinen Innovationspreis verdient, die phrasenartigen Dialoge sind hier vereinzelt gar zum Fremdschämen. Doch zum Glück nimmt der Anime nach einer Hand voll Episoden an Fahrt auf und es stellt sich alsbald heraus, dass «Eureka Seven» eben kein langweiliger 08/15-Mecha-Shounen-Anime ist, nein im Gegenteil eine sehr innovative und tiefgründige Serie. Die Innovation fängt schon bei den Riesenrobotern selbst an: Denn diese fliegen nicht einfach mit Triebwerken, sondern surfen auf Surfbrettern durch die Lüfte. «Eureka Seven» legt definitiv keinen Fokus auf die Kämpfe, wer also auf reinrassiges Haudrauf-Action-Kino steht, ist hier falsch. Die Kämpfe sind letztlich mehr Mittel zum Zweck um die Charaktere zu porträtieren, allen voran den Protagonisten Renton. Der eigentliche Plot kommt eher langsam voran, verstreut aber zahlreiche interessante Fragmente und wirft eine Vielzahl von spannenden Fragen auf. Daher ist der Zuschauer nicht selten verwirrt und muss genügend Aufmerksamkeit aufbringen, um die einzelnen Puzzlestücke und Handlungsstränge im Kopf zusammenzufügen. Die ganz großen Fragen werden sich erst im zweiten Volume beantworten, doch dies tut der Unterhaltung keinen Abbruch. Denn die Ungewissheit macht gerade einen Reiz der Serie aus und die überzeugenden Charaktere laden zum Mitfühlen ein. Thematisch präsentiert sich der Anime als eierlegende Wollmilchsau. Ob Romantik, Drama, Gesellschaftskritik, Philosophie, Action oder Comedy, ob Rassismus, Religion, Terrorismus, Krieg, Ungerechtigkeit oder Familie, alles findet man hier wieder. Eine derartige Vielfalt, noch dazu mit solch anspruchsvollen Sujets birgt Risiken: Viele Produktionen scheitern am eigenen Anspruch, bleiben letztlich überall zu oberflächlich und aufgesetzt. Nicht so «Eureka Seven»! Eine derart gelungene Symbiose solch vieler Genres und Themen sucht in der Anime-Welt seines Gleichen. So ist für jeden etwas dabei und langweilig wird es aufgrund der Vielfalt nie. Einige der behandelten Aspekte sind von erschreckender Aktualität und nicht zuletzt deshalb pädagogisch überaus wertvoll, so etwa als ein religiös motivierter Terroranschlag zur verschärften Stigmatisierung einer ganzen Glaubensgemeinschaft führt.

Die Charaktere und deren Entwicklung bilden zweifelsohne das Herzstück der Serie. Zentrale Elemente sind hier das Erwachsenwerden und die Persönlichkeitsfindung, weiterhin die Beziehung zwischen den Darstellern, insbesondere zwischen Renton und Eureka. Man darf bei «Eureka Seven» keine perfekten Menschen erwarten, die grenzenlos sympathisch, süß, stark et cetera sind. Vielmehr bekommt der Zuschauer Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten präsentiert, die hin und wieder auch etwa trotzig, eifersüchtig oder egoistisch agieren. Doch gerade das schafft eines: Realismus! Renton wird geprägt durch die positiven und negativen Erfahrungen, die er im Laufe der Geschichte macht. Seine Charakterentwicklung ist umfangreich und bleibt trotzdem stets nachvollziehbar und realistisch. Mich persönlich hat die pubertäre Ader des Jungen angesichts der ernsten Thematiken ein winziges bisschen gestört, wobei er mir dennoch weit besser gefallen hat, als der Großteil der Protagonisten anderer Genrevertreter. Mit einer ebenso umfangreichen und glaubwürdigen Entwicklung kann Eureka aufwarten, die zudem recht mysteriös daherkommt und auch in ihrer Persönlichkeit ein absolutes Unikat darstellt. Mein persönliches Highlight war aber Holland, der Anführer der Gekkostate-Crew. Nach außen gibt er sich stark, offenbart aber bei genauerem Hinsehen eine tiefe innere Zerrissenheit. Der restliche Cast ist weit weniger datailliert ausgearbeitet und bleibt größtenteils in der Statistenrolle verhaftet beziehungsweise existiert nur zum Zwecke des Plots oder der Charakterisierung der Protagonisten. Hiervon ausgenommen sind am ehesten noch Talho, die Pilotin der Gekko und überdies Anemone und Dominic, wobei sich bei letzteren beiden das Potential in den ersten 25 Folgen nur erahnen lässt.

Eureka Seven Vol. 1 - Screenshot 2  Eureka Seven Vol. 1 - Screenshot 8

Deutsche Lokalisierung

Die deutsche Synchronisation erstellte seinerzeit die Synchronfirma Circle of Arts im Auftrag von Beet Entertainment. Sie klingt absolut spiteznmäßig, bis in die Nebenrollen wurden quasi alle Charaktere überaus passend besetzt. Wirkliche Fehlbesetzungen sind nicht vorhanden. Sie Sprecher transportieren die Emotionen spitzenmäßig und sind mit Herzblut dabei. Raúl Richter gelingt die anspruchsvolle Rolle des Protagonisten Renton einwandfrei und auch Julia Meinen als Eureka liefert eine souveräne Arbeit ab. Dass die beiden Sprecher älter klingen als es ihre Rollen nahelegen würden, stört mich überhaupt nicht, da es gut zur eher «erwachsenen» Machart der Serie passt. Positiv herauszuheben sind zudem Olaf Reichmann als Holland und Gundi Eberhard als Talho, hier gibt es meiner Meinung nach keine Abstriche zur japanischen Vertonung. Leider wurden einige wenige Rollen während der Serie umbesetzt, so wurde Dominic Sorel zuerst von Robin Kahnmeyer und später von Nico Sablik gesprochen, bei Moondoggie ersetzte Fabian Schwab ab Folge 11 Nico Mamone. Zum Glück sind von den Umbesetzungen keine der Hauptcharaktere betroffen, weshalb man gut mit ihnen leben kann. Insgesamt gehört die Synchro zur Crème de la Crème der deutschen Anime-Vertonungen und ist deshalb selbst den Dub-Hassern zu empfehlen. Wer trotzdem lieber die OmU-Fassung vorzieht, kann diese natürlich im Menü einstellen.

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Bild

Der Anime hat immerhin schon mehr als 10 Jahre auf dem Buckel. Im Anbetracht dieser Tatsache ist die Bebilderung hervorragend, gerade die völlig flüssigen Animationen stechen positiv heraus und machen insbesondere die Mecha-Kämpfe zu einem Augenschmaus. Auch der Zeichenstil ist zwar im Vergleich mit anderen Bones-Produktionen nicht einzigartig, nichtsdestoweniger sehr ansprechend und bietet detaillierte Charakterdesigns und kräftige Farben. Hervorzuheben sind des Weiteren die kreativen Landschaften und schönen Lichtstimmungen. Die Blu-ray-Variante bringt ein deutliches Plus an Schärfe und Farbe mit sich, kann, gerade was die Schärfe angeht, hier jedoch naturgemäß immer noch ganz mit aktuellsten Produktionen konkurrieren. Etwas Schade ist, dass als Seitenformat das nicht mehr zeitgemäße 4:3 vorliegt. Dies war zum Produktionszeitpunkt des Animes aber noch üblich und ist verschmerzbar.

 

Musik

Das erste Volume von «Eureka Seven» kann mit zwei Openings und Endings aufwarten. Bis Folge 13 hört man das Opening «Days» von Flow und das Ending «Himitsu Kichi» von Kozue Takada, ab Folge 14 das Opening «Shounen Heart» von Home Made Kazoku und das Ending «Fly Away» von Asami Izawa. Alle vier Stücke konnten mich überzeugen, vor allem die beiden Openings und das zweite Ending. Mit «Days» zeigt Flow mal wieder, dass sie einfach ein gutes Händchen für Mecha-Animes haben, man bekommt hier JPop erster Güte geboten. Das zweite Opening «Shounen Heart» ist unkonventioneller und schön mitreißend. Das erste Ending ist eine ruhige Ballade, zwar schön, aber eben auch nichts Außergewöhnliches. «Fly Away» dagegen ist fetzig und gefiel mir vorzüglich. Die Frage nach der Qualität der Lieder bleibt aber wie immer eine sehr subjektive und deren Beurteilung kann je nach eigenen Präferenzen sehr unterschiedlich ausfallen. Die Bebilderung der Songs weiß zu gefallen, wobei die Openings in dieser Hinsicht gewohntermaßen spektakulärer ausfallen.

Der Soundtrack stammt von niemand geringerem als Naoki Satō, der sich schon mit dem hervorragenden OST zu «X – Die Serie» einen Namen machte. Den folglich hohen Erwartungen wird der Komponist absolut gerecht. Der Zuschauer bekommt ein breites Musikangebot, von Klassik über Pop bis Techno, das eingängig ist und jeweilige Szene stets in neue emotionale Sphären hebt, selbstredend ohne dabei kitschig oder aufdringlich zu wirken. Persönliche Highlights waren für mich hier zum Beispiel die Stücke «Get it by your Hands», «Gekko-Go», «Tooi Kioku» und vor allem «Storywriter». Im Prinzip ist aber der gesamte Soundtrack grandios.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass die DVD-Fassung lediglich 2.0 Sound bietet, was sehr schade ist, da die Blu-ray 5.1 Surround bereitstellt, gerade bei Actionszenen ein großer Mehrwert.

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Ausstattung

Die Neuauflage von Nipponart kommt im schicken und sehr stabilen Pappschuber daher. Die blaue Blu-ray Leiste am oberen Rand ist hier allerdings etwas störend und meines Erachtens unnötig. Das ausklappbare Digipack ist mit schönen Artworks der Charaktere verziert, die das Herz jedes Fans höher schlagen lassen. Als Extra gibt es 3 schmucke Postkarten, die in einem Briefumschlag beiliegen. Die Disc-Menüs sind in in schlichtem schwarz-weiß gehalten, im Hintergrund sind entfärbte Szenen aus der Serie zu sehen und das erste Opening «Days» zu hören. Digitale Extras sind Interviews mit den japanischen Seiyūs und Audio Kommentare, jeweils deutsch untertitelt. Außerdem gibt es textfreie Fassungen der beiden Openings und Endings.

Eureka Seven Vol. 1 - Screenshot 5  Eureka Seven Vol. 1 - Screenshot 1

Fazit

«Eureka Seven» ist eine weit überdurchschnittliche Serie, wenn nicht gar meisterlich und sollte deshalb in keiner gut sortierten Anime-Sammlung fehlen. Für Fans anspruchsvoller Mecha-Unterhaltung führt sowieso kein Weg an der Produktion vorbei. Nach einem zugegebenermaßen etwas holprigen Start wird der Zuschauer mit innovativen Konzepten, einer durchdachten Story und nicht zuletzt grandiosen Charakteren belohnt. Auch die Bebilderung kann überzeugen und die Musik toppt das ganze noch mal. Jedem, der mit komplexen Storys etwas anfangen kann und vor allem Wert auf die Charaktere und deren Entwicklungen legt, kann ich «Eureka Seven» bedingungslos ans Herz legen. Einzig diejenigen Leser, die zügellose Selbstzweck-Action ohne jeden Anspruch erwarten, sollten sich die preisgünstige Anschaffung vermutlich sparen.

 

Wir bedanken uns bei Nipponart für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

 

© 2005 BONES / Project EUREKA